Mein Territorium
Ich habe im südlichen Bereich des Gartenzauns neue Schlupfmöglichkeiten entdeckt – und bin am Mittwoch schon wieder ausgebüxt. Diesmal geht es etwas länger, bis sie mich – nicht findet. Ich habe nämlich gerade des Nachbarn verwaisten Garten erkundet, wo niemand wohnt. Dominique zieht sich währenddessen auch an. Jacke, Socken und Schuhe sind montiert. So öffnet sie die Haustür, um mich suchen zu gehen. Hihi, vergebens, denn ich bin schon da, komme fröhlich hinter dem Wohnmobil hervor, um freudig zu grüssen. Gehen wir Gassi?
Mit allen Sinnen wachsende tägliche Wahrnehmungen
Am Mittwoch darf ich nach dem Abholen im Büro die kleine Spazierrunde der Bahnhofsstraße entlang zum Bahnhof machen. Dort ist gerade eine riesige Blechlawine angerauscht. Ich sitze zwischen den Füssen meiner Chefin, sie auf der Bank. Sie spricht mit einem Mann im Zug sitzend, der uns beobachtet hat. Wie der Zug anfährt, erschrecke ich etwas wegen der ungewohnten Geräusche, fühle mich aber sicher bei meinem Menschen. Dann geht es zurück zum Auto und nach Hause.
Immer wieder finde ich im Garten neue Arbeiten, die ich erledigen kann: Nachdem ich das Kräuterbeet von seinen Kokosmatten befreit habe, von deren Material man nach ihrem Zerfleddern noch tagelang Nestchen bauen könnte für Ostern – sie merken das nicht einmal, so sehr sind sie mit dem Beobachten meines Tuns berechnet, und nachdem ich die Standhilfe des Lavendelbäumchens gegen den starken Wind entfernt und sie ihrer Kokoshülle entledigt habe, bin ich schon ziemlich überdreht, dass ich heute, donnerstags, keine Ruhe finde.
Weitere klare Grenzen
Ich halte es nicht für nötig, mir immer alles wegzunehmen oder mit mir tauschen zu wollen. Den Strick und den Hasen kenne ich doch schon! Also schnappe ich beim nächsten für mich unnötigen Machtkampf mal kräftig zu. Meine Zahnabdrücke an ihrer rechten Hand können sich sehen lassen. Dramatisiert wird das Ganze durch Blut und baldigem Pflastermontieren. Ich werde nicht gestraft, verziehe mich besser gleich in meine besagte Ecke und werde nicht gestört. Sie meint, ich wisse schon, dass dies nicht gut war. Dass sie mich ignoriert, ist okay. Es tut mir ja auch leid… Ich glaube, wir schauen beide etwas traurig aus der Wäsche.
Alles verboten! Die Kissen und die Decke auf der Panoramafensterliege, die mein Frauchen abends so sehr mag, sind ebenso tabu wie das Klettern auf die Polster im Wintergarten. Echt ätzend! Alles von oben ansehen ist doch toll! Da ich keine Achtung zeige und krawallgebürstet wirken muss, ist die Box angesagt. Wenn ich mich dort nach kurzer Zeit doch beruhigt habe, darf ich rauslaufen, um mich zu versäubern – und siehe da – ich verkrieche mich dann freiwillig in meine dunkle, geschützte Lieblings-Ruhe-Ecke im Speiseraum.
Spaziergänge im Quartier
Die täglichen 2 Spaziergänge von 10-15 Minuten im Quartier gehen manchmal bis zum Pärklein, manchmal nur eine Rundstrecke von 2 Quartierstraßen mit Einfamilienhäusern, Vorgärten und mit zeitweise draussen spielenden Kindern. Dann stellen wir uns hin und hören und schauen einfach zu. Ich sitze brav neben meiner Chefin; sie steht beim Beobachten auf der kurzen Leine. Also bin ich nicht abgelenkt. Die Kinder machen mir keine Angst, auch wenn sie laut und lebendig sind. Die Frauen reden ein wenig über das Ziel der Übung, bevor es weiter geht. Ich kann scheinbar, wenn ich mich dann dereinst eignen sollte, zum Schulbegleithund oder Ähnlichem ausgebildet werden. Ein kleiner Junge begegnet mir mit Vater oder Grossmutter zum 3. Mal. Er kennt uns schon gut und meint, der kleine Hund sei wie er ein Lausbub und strahlt über beide Ohren. Der Kleine, sonst immer kläffende kleine weisse Hund eines etwas entfernten Nachbarn ist bei meinem Anblick ruhig und neugierig, währenddem ich erlebt habe, dass er hinter dem Zaun laut und lange quietscht, wenn meine grossen 2 Freunde neben mir ruhig vorbeikommen. Die kleine Funny hat auch keine Angst vor mir?
