In der 6. Woche in meinem neuen Zuhause läuft alles ganz ähnlich wie in der Woche zuvor. Leider regnet es dauernd und es ist kalt. Da dies nicht sehr einladend ist, hat mein Frauchen wohl beschlossen, krank zu sein. Schliesslich hat sie noch Ferien und hat darum Zeit dafür, haha! Gute Lehrer fehlen in den Ferien, sagt sie dann auch mal. Ich verstehe das nicht. Aber ich registriere, dass sie viel rum liegt, vor allem im Bett und unendlich lange schläft, während dem mein Herrchen in seiner Freizeit mindestens 2 Augen auf mich programmiert, sodass ich kaum etwas anstellen kann. Ich bin aber auch recht brav, denn mein Frauchen tut mir echt leid.
So sind ihre Pläne, mit mir in die Stadt zu gehen, im Kaffee zu sitzen und Neues zu bestaunen, sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Auch zum Postauto- und Zugfahren kommen wir aus genannten Gründen nicht. Einige Male besuchen wir zu Fuss nach dem Büroaufenthalt den Bahnhof, was mich nicht mehr erschrecken kann. Ich bin ja soo gross! Hat sie nach dem Abholen keine Gutelis dabei, ist es für mich nicht ganz einfach, mich nicht von allem Möglichen ablenken zu lassen. Trotzdem erreichen wir den Bahnhofplatz in Kürze und schauen dem emsigen Treiben etwas zu. Menschen sind auch mit grossen 2-rädrigen Vehikeln unterwegs oder tragen schwere Lasten. Kaum jemand hat einen Hund dabei. Doch einige Artgenossen beobachten kann ich doch. Keiner sieht aus wie ich.
Anfangs der Woche 7 darf ich mit meinem Herrchen per Auto wegfahren, um Bankenluft zu schnuppern. Er will dort einen geschäftlichen Termin wahrnehmen. Weil man mich dort noch nicht kennt, darf ich mich wieder einmal wie DER Star fühlen, denn schon beim Eintreten sind mir diverse Jö’s sicher! Ich bin der Schönste, coolste Vierbeiner auf Erden! Um in sein Büro zu gelangen, müssen wir in einem dubiosen Kasten an Höhe gewinnen. Davor gibt es einen hellgrau bemalten Betonboden, den zu betreten mir nicht geheuer ist. Trotzdem schaffe ich es, denn ich bin auch sehr mutig. Der anschliessend folgende Teppichboden gefällt mir viel besser. Den sogenannten Lift überwinden wir relativ sicher. Gut, dass mich niemand kennt. Wie ein Hosenscheisser benehme ich mich beim Betreten dieser Kabine! Das muss ja aussehen, wie ich mich mit allen Vieren wehre, was aber nichts nützt. Der Bankleiter hat wohl etwas zu feiern. Ich darf alle möglichen Arten von Geschenkpapier zerfleddern. Er liebt Hunde wie viele Zweibeiner, was mich sehr freut. Mir ist nie langweilig, wenn ich etwas zerreissen darf. Der gleiche Rückweg zum Auto fällt mir schon sehr viel leichter. Das kenn ich doch alles!
Diese beiden Wochen sind sehr nass vom vielen Regnen. Dean teilt mit mir seinen kühlen Platz unter dem Terrassentisch, wo der Holzboden einigermassen trocken ist. Räumliche Geborgenheit ist mir sehr wichtig. Ich geniesse mehr und mehr die Aufenthalte in der Box im Büro oder in meines Frauchens grossem Auto, wo ich mich gerne anstelle, um in der kühlen Garage auszuruhen. Da kann ich mich gut zurücknehmen, was im Speiseraum nicht immer geht, da Leon und ich dieselben Lieblingsplätze für sich beanspruchen möchten. Macht er sich absichtlich lang, muss ich weichen. Jaja, ich weiss – er war vor mir da…
Im Büro darf ich nicht mehr zu Beginn mit Mali spielen, da ich sonst nicht zur Ruhe komme. Ich empfinde stark Mali-Entzug und kläffe oft umher. Das Spiel mit ihr wird zeitlich verschoben. Es gibt da einen grünen Frottierlappen, mit welchem wir ab und zu Zerrspiele veranstalten. Wir spielen dann etwas Ähnliches wie es die ‘Bösen’ 😉 tun. Gewinnen tun wir dann meist beide. Einmal flute ich Malis Box, da ich mit meinen grossen Vorderpfoten auf die Kante ihres gefüllten Wassernapfes tappe. Alles ist nass, und Mali muss neben der Box dösen, bis alles wieder trocken ist.
Diese Woche versuche ich, meiner Eigenwilligkeit mit kräftigem Kläffen Ausdruck zu verleihen. Meine Stimme ist wenig tiefer geworden und ich finde, sie hört sich toll an. Dass man mich ‘Nervensäge’ nennt, kümmert mich wenig, auch wenn das Kläffen bewusst zu ignorieren abgemacht ist. Wer hat da wohl die bessere Ausdauer? Ich bestimmt… oder?
Ab und zu versuche ich auch, die handlichen Geräte zu nehmen, die man zum TV schauen braucht. Gegen Belohnung tausche ich sie aber gerne sofort und verzichte auf das Handeln.
Auf der Terrasse bieten sich noch immer die feinen Blumenzwiebeln der Agapanthus an, die noch nicht zu wachsen bereit, aber von mir gut auszugraben sind. Ich spiele dann ein bisschen mit der Knolle, bis ich daran herum kaue. Natürlich nimmt man sie mir wieder weg. Denn ich merke scheinbar noch immer nicht, dass mich diese Teile wohl zum Erbrechen bringen. Einmal hatte ich frühmorgens sogar Blut im Stuhl, doch nur einmal, und ich brauchte keinen Pfotendoc.
Noch immer sind Kleider auf den Stühlen im Obergeschoss mein klares Beuteschema, und auch die Decke und Kissen im Wohnzimmer ziehen mich immer wieder magisch an. Aber man weiss klar, dass ich mich echt um Besserung bemühe… meistens.
Im Wintergarten haben sie 3 der 5 Transportkisten wieder abgeräumt, in der Hoffnung, dass ich nicht wieder diese hellen Polster hoch zu den Kissen, Lammfellen und weichen Decken besteige. Denkste! Jetzt kann ich doch wieder rauf klettern! Au weia, das gibt wieder Ärger! Ok, bis demnächst…
Im Garten brauchen sie keinen Rasenmäher, denn es gibt keinen Rasen. Hölzerne Terrassenböden und Kieswege werden überall von hohem Ziergras eingefasst, die im Wachstum stehen, doch am Osthang befinden sich niedrigere dichte Ziergräserbüschel, die richtig einladend darauf warten, dass ich mich reinlege, dort kuschle und dabei an den Gräsern beisse. Ich bin der Gräsermäher schlechthin. (Vielleicht tut mir dies aber genauso wenig gut wie die Blumenzwiebeln, die ich in Ruhe lasse, wenn sie schon hübsch blühen.) Löcher buddeln ist nicht mehr mein Hobby, denn es macht keinen Spass, wenn man auf Mauer trifft und so kein Ausreissen möglich ist. Auch die Zaunquadrate sind immer kleiner geworden, sodass ich nicht mehr durchspringen kann.