Mein Frauchen besucht auf Wunsch einer Nachbarfamilie immer wieder mit mir die Kinder beim Spielen, auf dass wir uns gegenseitig aneinander gewöhnen und ich mich nicht vor den tapsigen, nicht einschätzbaren Bewegungen der Kleinsten fürchten muss. Die Kinder lernen, dass sie mir die offene Hand hinhalten und auch Häppchen geben dürfen, was mir angenehmer ist als mir über den Kopf zu streicheln. Die mögen dies ja auch nicht von Fremden.

In der Welpenstunde üben wir Ende der Woche 6 auf einem belebten Parkplatz, Leckerli nicht aufzunehmen, bevor das Zeichen zum Nehmen kommt. Dies empfinden Domi wie auch ich als sehr zermürbend und anstrengend. Sie ist gesundheitlich noch nicht auf dem Damm und ist nicht unglücklich, dass sie die meiste Zeit wartend auf der Leine stehen soll, da ich den Auftrag nicht verstehe oder wie sie denkt, nicht verstehen will. Ich kläffe auch kräftig, auf dass Patienten das Ihre denken müssen. Die Ausdauer wird nicht belohnt, denn ich schaffe es erst nach vielen weiteren Übungen während der Woche, hochzuschauen und das ‘Nimms’ abzuwarten, und dies auch nur, weil sie sich so bückt, dass mein Augenpaar mit den schönsten langen roten Wimpern einen kürzeren Weg zu ihren Augen finden. Es ist witzig, wie Mensch und Tier sich selbst betrügen, um rasch zum Erfolg zu gelangen. Da ich nun aber den Futternapf auch nicht sofort nach dem Sitzen + Marker-Wort in Beschlag nehmen darf, sondern auch auf ‘Luege’ reagieren soll, verstehe ich langsam, was man von mir erwartet.

Am Samstag der Woche 7 geht es um die Grundlagen zur Leinenführigkeit. Ich kann schon schön neben Frauchen hergehen und sie seit der Woche 9 immer wieder anschauen, auf dass ein Guteli geworfen wird. Nun soll ich dies aber erhalten, wenn ich bei ihr bleibe und nicht als Aufforderung verstehe: Geholt heisst ‘auf geht’s’! Wir üben mit weiteren 2 Welpen neben dem Bahngeleise in Bahnhofsnähe während der ganzen Zeit, steigernd durch mehr Ablenkung. Dies tun wir, indem ein Grasbüschel, das gut zu riechen scheint, nicht erreichbar ist, sondern der Mensch wichtig bleibt oder indem wir nahe an den andern Lernpartnern vorbei gehen. Ich mache dies sehr gut und bekomme sehr viel Belohnungsfutter, was meinen steten Hunger befriedigt.

Am Ende fahren wir müde, aber mit neuen Erkenntnissen bestückt nach Hause. Ich schlafe dann mal ausgiebig.

Am Nachmittag darf ich mit in die Stadt St. Gallen fahren, wo wir neben der Kantonsschule parkieren, um in der Fussgängerzone durch die vielen Menschen und Radfahrer zu flanieren. Ich bin auch hier der Star, indem ich es schaffe, schön mitzugehen. Auch lerne ich, unter einem Bistrotisch auf der Strasse an der kurzen Leine zu sitzen oder zu liegen, dabei das Treiben zu beobachten. Es läuft viel, und beruhigen kann mich der Wassernapf und das eine oder andere Belohnungshäppchen. An der nächsten Kreuzung vorbeigehend spielt ein talentierter Musiker Akkordeon. Das gefällt mir gar nicht. Ich bin aufgeregt und froh, dass wir rasch weitergehen. Was die Menschen an diesem Hochfrequenz-Bereich der Töne gut finden?! In einem Elektronikaden sitzen wir auf der kaum benützten Treppe im Innenraum und warten, bis Herrchen eingekauft hat. Auch da beobachte ich, was läuft und verhalte mich recht entspannt. Nach der Rückkehr zum Auto freue ich mich auf die Box, wo ich von den vielen Ereignissen träumen und mich entspannen darf. Abends sieht man von mir kaum etwas, denn – es schläft…

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