Mein Start in die 2. Woche
Ich starte in meine 2. Woche. So viel Neues begegnet mir täglich, und wo ich meine, schon alles entdeckt zu haben, zeigen sich täglich neue, spannende Dinge und Möglichkeiten, aktiv zu sein. Meine Menschen beobachten mich sehr oft; sie möchten, dass ich mich draussen löse. Wenn es klappt, höre ich ‚fein Pipi‘ oder ’supi Caca‘. Das muss ihnen wohl gefallen. Öfter verpasst sie aber den Moment, und das Malheur ist passiert. Da folgt dann kein ’supi‘ und sie machen alles schnell weg.
Am Dienstag finden sie ein leeres dunkles Plastiksäckchen, das ich vom Garten reinbringe. Da staunen sie, denn: Am Sonntagabend gibt sie Cubas Provianttasche zurück. Ursprünglich waren fürs Gast-Wochenende 6 Futterpäckchen abgewogen drin, gefüttert hat man ihr nur 5. Waren es nur 5 Säckchen und nicht 6? fragen sie sich. ICH weiss es besser. Ich habe nämlich beim Rausgehen über die Garage eins mitgehen lassen und im Bambus versteckt. Nun habe ich sie genussvoll ausgefressen und bringe den Abfall brav zurück – sie füllen ja damit immer so witzige Kuhbags…
Den Tierarzt besuchen
Der alte Herr Leon muss zum Tierarzt. Das ist nicht weit. Ich darf mitgehen; wir brauchen kein Auto. Der Weg ist neu für mich und es gibt so viel zu schnuppern. Leon geht in meinem Tempo brav links an der Leine. Einige ‚Jöö’s! später hocke ich zwischen den Füssen meiner Chefin, die Leon auf einen größeren Tisch hat springen lassen. Ein Mann lässt den Tisch höher werden und fasst Leon da und dort an. Leon lässt sich alles schön fallen. Nach einem Medi gegen Rückenschmerzen und einigen Abmachungen zwischen den Menschen erhält er ein Guetzli – und ich auch! Der Mann findet mich genial! Meine Chefin freuts, also auch mich. Meine Daten aus dem Heimtierpass sind nun in einem elektronischen Gerät abgespeichert. Scheinbar kennt nun jeder meine Nummer…?! Wir spazieren gemütlich zurück. Ich bekomme immer wieder ein kleines Goodie vorwärts geworfen, wenn ich zu ihr hoch schaue beim Gehen. Mmh!
Mit allen Sinnen wachsen täglich Wahrnehmungen
Ich mag es sehr, wenn etwas raschelt – sei es Papier oder Plastik. So nennt man das. Papiersäcke oder Kartonschachteln darf ich zuweilen zerfetzen, und einige feine Häppchen finde ich darin. Auch mal eine Haushaltsrolle zeigt mir nach dem Öffnen durch meine schneeweißen Milchzähne einige runde Leckerchen. Da bin ich ein Weilchen gut beschäftigt.
Auf der Terrasse stehen einige Pflänzchen mit verschiedenen weißen Blüten unter dem Tisch. Gegen Regen und Sturm geschützt warten sie auf mich, der super aussieht, wenn eine weisse Blüte aus meinem Mund guckt. Warum wollen sie da noch ein Foto machen? Sie nehmen mir die Blume ja doch weg! Hihi, ich habe mich vorausschauend weggedreht!
Dort draussen bewegt sich was in luftiger Höhe! Ah, das grüne feine Tuch auf dem Hochbeet! Das erreiche ich knapp und reisse mir ein Stückchen runter! Die Beute kommt in meine Box. Die Sonnenschirmhülle, die kaputt hinter dem Grill auf ihr Entsorgen harrt, wird durch mich ebenso belebt wie ich auch den Winterzwiebeln im unteren tieferen Hochbeet Sonne gönne, indem ich einige davon aus der Erde befreie. Auch das soll ich wohl nicht tun. Aber Bambusstäbe freuen mich genauso. Das eine oder andere Ästchen darf ich dann auch rumtragen.
Der Garten ist so spannend und gross, und doch – was liegt wohl dahinter? Auf die Wiese kann ich nicht mehr – der Zaun ist geflickt. Doch da, hinter der Bambushecke ist der Durchgang nicht tief genug verbarrikadiert. Ich Winzling komme noch gut durch, so zum Nachbarn, wo scheinbar nie jemand da ist – und ich bin wieder auf der Kuhwiese! Meine Menschen haben mich beobachtet und planen die definitive Befestigung auch dieser Möglichkeit, meine Aussenwelt zu vergrössern. Mein Chef holt mich ab, nachdem ich etwas Wohlriechendes erkundet habe – sie nennen es ‘Gülle’. Ausbüxen wird nun schwierig werden; das Drahtgeflecht steht zur Montage bereit. Ok, ich kenne nun meine Freiräume, sprich Gartengrenzen.
Im Büro darf ich wie Mali eine Himbeere haben. Belohnung! Wir hocken ja beide brav und ich recht freiwillig in der Box unter dem Schreibtisch. Schon das Schnuppern an der süssen Frucht verheisst einen Leckerbissen. Und dann erst das Schmausen! So fein!
Die Blumen darf ich nicht fressen, aber sie riechen alle so grandios!
Ein rundes Etwas bewegt sich zwischen den Terrassenbrettern. Vorne und hinten ist es weich und beweglich, in der Mitte rund und hart, ein Häuschen. Da ich daran stupse, zieht sich das Weiche zwischen die Bretter in die Tiefe, sodass ich nicht drankomme. Verflixt clever, das Tierchen!
Was tönt denn da so glockenhell? Ich werde vom Zwiebelbeet abgelenkt. Im Magnolienbaum darüber hängt etwas, das diese Töne bei Wind verursacht. Sie nennen es ‘Windspiel’. Ich meine, es gibt auch eine Hunderasse mit diesem Namen…
Das mag ich mehr als die Geräusche der Fahrzeuge hinter dem Pärklein beim Geschäft an der Bahnhofstrasse. Da will ich auch noch gar nicht Richtung Ladenstrasse spazieren gehen! Einige Minuten auf dem Mäuerchen hockend zusehen reicht mir schon.
Weitere klare Grenzen
Immer wieder necke und plage ich meine Hundekumpels, die mich aber nicht wie ihre Kumpel behandeln wollen. Sie mögen es nicht, wenn ich an den Barthaaren hochspringe, sie an den langen Rutenhaaren zerre oder sie beim Liegen in die Ohren kneife. Irgendwann, nämlich am 3. Sonntag, reicht es Leon mit den Machtkämpfen zuhause – er zwickt mich, sodass ich laut aufheule und Schutz bei meinen Menschen suche. Sie schützen mich mit ihren Beinen, aber erst etwas später beruhige ich mich in Mamas Armen. Leon ist wohl doch der Chef und nicht ich. Die Menschen finden das auch, grrr. Ja, ich werde das endlich annehmen – vielleicht morgen. Nun bin ich soo müde und darf mit nach oben. Alle gehen schlafen.
