Meine 4. Woche
Bald schon wohne ich 1 Monat lang im neuen Zuhause an sonniger Lage in natürlicher Umgebung. Ende dieser Woche schaffe ich es tatsächlich, das Wasser aus Leons hohem Napf zu trinken. Das schmeckt doch gleich leckerer als aus meiner Metall-Gamelle.
Mit meinen 12 Wochen bin ich gut unterwegs. Die Spuren meiner nassen Pfoten lassen sich sehen – ich hinterlasse mächtige Fussabdrücke, was bedeutet, dass ich ein Grosser sein werde. Darüber freue ich mich sehr!
Hochbegabt!
Sie sagen, ich sei sehr lernwillig, ja, hochbegabt! Wenn ich an folgende kleine Episode denke, wird es wohl so sein. Ich habe clever kombiniert: Über den zusammengefalteten, aber noch aufgestellten Liegestuhl gelange ich auf den kleinen quadratischen Topf auf der Terrasse. Auf dessen Rändern stehe ich mit meinen vier Pfoten gut, sodass ich endlich über den Rand des nächstgrösseren Troges hineinsehen kann. Denn mein Ziel ist, jene vom Winter zerzausten ‚Storzen‘ von irgendwelchen Blumen aus dem Trog zu ziehen und sie mit meinen Zähnchen zu erforschen! Geschafft! Agility ist doch Quatsch dagegen…
Dass Wasser reizvoll ist, habe ich auch bemerkt. Doch jenes im kleinen runden Deko-Bottich-Teich im Garten schmeckt mir nicht. Es ist auch so grünlich… Aber wenn Frauchen im oberen Stock duschen geht, würde ich gerne mit rein tapsen, darf dies aber nicht. Es gibt keine Tür; so zeigt sie mir auch hier klar die unsichtbare Grenze. Nach diversen Fehlversuchen meinerseits, ihre Dusche mit mir zu teilen, gebe ich es auf. Ich habe die Grenze ja natürlich verstanden ;-).
Einige Holzscheite liegen zum Trocknen auf dem beschriebenen Teich-Bottich. Sie halfen, im Winter im Teich liegend, gegen Frost, der den Bottich zum Sprengen bringen könnte. Nun möchte ich gerne beim Aufräumen helfen und trage das größte Scheit in den oberen Gartenbereich, wobei ich es einige Male anbellen muss, da es mir aus dem Maul fällt. Dann habe ich das widerspenstige Teil bezwungen und ermögliche meinen schneeweißen Milchzähnchen eine ausgedehnte Gelegenheit zum Beißen. Das Scheit verursacht zwar ein wenig Mühe, wird mir aber weggenommen, bevor ich davon Spiesse verschlucken könnte. Man staunt aber über meine Kraft, sie hochtransportiert zu haben. Zur Belohnung erhalte ich einen Kaustreifen. Guter Tausch! Fein!
Einmal bringe ich ein langes Stück dünnes Holz aus dem Garten auf die Terrasse. Ich möchte es gerne in den Wohnbereich tragen, doch ist das Teil in meinem Maul breiter als die wenig geöffnete Terrassen-Schiebetür. Ich lasse es bleiben und versuche es tags darauf. Ich bin schon schlau: Nach einem weiteren Fehlversuch drehe ich meinen Kopf so, dass das Holz im rechten Winkel dazu perfekt durch die Öffnung passt. Genüsslich trage ich es ins Wohnzimmer, wo es bald in 2 Teilen liegt und viele kleine Bröcklein auf den Besen warten.
Angst? Kenne ich nicht – oder doch ab und zu?
Dass Kabel für Tiere gefährlich sein können, weiss ich nicht. Sie würden mich schon reizen, vor allem jene, welche zu den Computern im Büro führen. Da gibt es weisse und schwarze davon – nur schaffe ich es nicht, sie anzuknabbern, denn ich werde immer kurz vor dem Ziel entdeckt und geschimpft.
Zuhause ist der Futterschrank im Speiseraum sehr interessant. Auf dem untersten Gestell stehen unsere 2 grossen Futterboxen. Ich klettere gerne hinein und setze mich auf die niedrigere der transparenten Behälter. Ui! Die Tür wird geschlossen, und da hocke ich. Angst habe ich aber keine, denn sie merken gleich darauf, dass ich nicht reagiere, und sie lassen mich wieder laufen 😉.
Auf einem Spaziergang besuchen wir im offenen Stall grosse dunkelbraune Tiere. Wir gehen nicht zu nahe ran, denn da fürchte ich mich doch ein wenig und halte mich nah an die Beine meiner Chefin. Der warme Atem eines grossen Mauls riecht interessant und wohlig. Ich beobachte kurz, verstecke mich aber nun hinter meinem Frauchen. Sie sagt, dies seien Black Angus Rinder. Die würden später auf der Wiese vor unserem Haus weiden…
Zu dritt spazieren gehen geht noch nicht. Ich will immer zuvorderst mitgehen, und wehe, wenn dem nicht so ist, zerre ich an der Leine, was Frauchen tunlichst vermeidet. Ich kann besser mitgehen, wenn wir allein sind, freue mich aber auf einen baldigen neuen 5-Minuten-Versuch.
Eines Nachmittags holt uns ein kleiner Junge mit seinem Fussball in den Armen ein. Das sieht komisch aus. Ich fürchte mich ein wenig vor dem grossen runden Teil, möchte es aber doch beschnuppern. Zur Sicherheit belle ich nochmals kurz. Der Junge sagt, ich sei sooo herzig. Er hat zuhause auch einen recht jungen Hund, der viel Quatsch macht.
Wir treffen immer wieder Menschen, grosse und kleine, leise und laute. Das 2-jährige Kleinkind meiner Fast-Nachbarn ist noch tapsiger und unberechenbarer als ich unterwegs. Das behagt mir nicht so sehr, doch auch diese Begegnung mit verteilten Goodies aus den Händchen der 2 Mädchen der Familie ist angenehm und interessant.
Am Ostersonntag lerne ich wieder neue Genossen kennen. Diese Tiere sind kleiner und weiss bis gefleckt oder schwarz, in diversen Grössen nah beieinander hinter dem Zaun meines Pärkleins ruhend. Ich belle sie an, bevor wir zu nahe sind, doch nur einige der Tiere stehen auf, um sich hangabwärts in Sicherheit zu bringen. Die andern merken rasch, dass ich an einer Leine hänge und nicht gefährlich sein kann, da uns ja auch ein Zaun trennt. Das von meinem Frauchen von hinten geschossene Foto bemerke ich diesmal nicht.
Nach dem Spaziergang surrt ein lautes braungraues Teil durch das Erdgeschoss. Daran habe ich schon mal geschnuppert. Es macht mir keine Angst, wenn es überall meine Schweinereien aufsaugt.
