Ankunft im neuen Zuhause

Zum Pipi machen werde ich in einen wohlriechenden, den Frühling verheißenden Garten gestellt. Oh, wie kann ich mich hier gut erleichtern! Und alles richtig gut, frisch und … neu! Ich bin ja, wie man im Welpenrudel blitzschnell erkannt hatte, sehr neugierig und an allem interessiert. Cool! … Schon kommen mir 2 sehr ausgewachsene Tiere entgegen. Wir beschnuppern uns – es sind 2 ältere Herren der Marke Bobtail und Goldendoodle. Letzterer sieht Rocco ähnlich, zeigt sich aber sofort als Rudelführer und ernsthaft zurückhaltend – nein, sogar merklich abweisend. Am nächsten Tag werde ich klar spüren, was die Beiden denken: Ui, der kommt ohne Mensch! Nein, er ist mit UNSEREN Menschen gekommen – oh weh, der bleibt!

Meine ersten Kontakte mit meiner neuen Chefin finden, wie vorab im Auto, in der Ecke des Wohnzimmers statt, wo sie neben meinem neuen Bettchen am Boden sitzt und mir Wärme und Geborgenheit gibt. Ich kuschle mich pudelwohl an ihre Seite – der Boden ist schön kühl und der Geruch und die Körperwärme von Domi (so ruft man die Dame) sind mir angenehm. Ich döse entspannt vor mich hin.

Irgendwann habe ich die ersten Quadratmeter erkundet, gemerkt, dass es gut nach Hunden und lieben Menschen riecht und dass ein kleines Pipi auf dem Kiesweg Erleichterung verschafft.

Essen mag ich noch fast nichts… ein paar Trockenkügeli und frisches Schlabberwasser reichen für heute. Wir schlafen alle zusammen im oberen Stock in einem einheitlichen Raum, wo man mich hochträgt. Irgendwann erwache ich auf Leons Bett, wecke damit meine Chefin und werde nachts um 03.20h (sagt sie am Morgen) 1x zum Versäubern hinunter und raus getragen. Danach schlafen wir weiter. Ich bin angekommen. Mein neues Rudel ist von mir angenommen. Heimweh? Was ist das? Leben, lernen, Quatsch machen und Liebe spüren – mein neues Daheim habe ich gefunden! Auf zu großen Taten und Eroberungen!

 

Der erste Morgen nach der Ankunft

Alles ist neu und wartet darauf, von mir erkundet zu werden! Am liebsten würde ich gleich mehrere Blumentöpfe bearbeiten. Die Erde riecht gut und Ästchen knabbern war bereits in der Hundezucht ein liebes Hobby. Ich darf das aber nicht. Nicht drinnen und nicht draussen. Und einige weitere Beschäftigungsideen meinerseits werden nicht geschätzt. Mensch und Hund zeigen mir klar meine Rolle und was ich darf und nicht soll. Natürlich sind das neue Plüschtier und das Beiss-Zerr-Spielzeug toll, aber ich möchte auch gerne an den Bettchen-Oberseiten, dem Reissverschluss der Box, den Adiletten des Chefs und den Haaren von Deans Rute zerren! So würde ich mich gerne an den Bauch von Doodle Leon schmiegen, aber da knurrt jemand so, dass ich mich lieber etwas fernhalte. Dafür klaue ich sein Spielzeug, was Ärger gibt. Ok – dann bin ich hier der letzte im Rudel, kein Alphatierchen mehr. Denen werde ich es zeigen – ich bleibe hartnäckig dran, meine Bedürfnisse zu befriedigen und meine Neugierde zu stillen.

Nachmittags geht es wieder ins Auto, zunächst auf Frauchens Schoss. Etwas später wechsle ich in die Hundebox aus Textilmaterial, die man heute dazu gekauft hat – dieselbe wie in Herrchens Büro und im Wohnzimmer. Die steht nun im Kofferraum des weissen Audi, die gleiche in Frauchens Fiat 500C. Die lerne ich im Moment noch nicht kennen.

Ganz wohl ist mir noch nicht, obwohl es kuschlig ist, meine Spielsachen im Doppel da liegen und ich etwas zum Kauen erhalte. So geht es wieder nach Hause.

 

Die nächsten Tage der 1. Woche

In Frauchens grossem Auto steht eine feste Hundebox, früher stark von Leon bewohnt, der zeitweise als Schulbegleithund mit zur Arbeit fahren durfte. Nun ist er alt und chillt gerne zu Hause. Ich soll mitfahren, um mich an diverse Geräusche zu gewöhnen. Die halbe Strecke heule und belle ich wieder, aber nach der Entspannungsphase am Ziel macht es mir kaum noch etwas aus, in der geschlossenen Box zu warten. Sie kommt ja wieder! Die Heimreise ist lockerer; hier kann man auch gut entspannt dösen.

Nachmittags darf ich mit Herrchen ins Büro. Da gibt es doch tatsächlich noch einen Artgenossen. Mali, ein  belgischer Schäfer aus dem Tierheim, schläft während der Arbeit ihrer Chefin sehr lange in ihrer Box unter dem Arbeitstisch. Wir dürfen uns beschnuppern. Sie ist lieb und lässt sich gerne von mir besuchen. Doch auch hier muss ich mich ausruhend entspannen. So liege ich gerne auf der Decke unter Herrchens Füssen, dahinter beschützt von der bereits bekannten sicheren Box.

Ich darf im Büro auch mal Kartonschachteln zerlegen oder raschelnde Papiersäcke in Stücke reissen. Vor allem gefallen mir die dabei auftretenden Geräusche und dass ich meine Energie und ganze Kraft aufwenden darf. Oh, wie schläft es sich nach dem Versäubern im Pärklein vor dem Gebäude gut!

Mitte Woche soll Leon zur Hundecoiffeuse. Ich darf mitfahren, in der bereits bekannten Box, Leon gleich daneben im Freiraum des großen Wagens. Währenddem Leon gebadet und von Unterwolle befreit wird, ihm die Haare gefönt, gestutzt und frisiert werden, schaue und höre ich zu Frauchens Füssen zu, was da alles geschieht. Es wären viele spannende Dinge zu erkunden, doch ich bin an der Leine. So kann ich keine Hundemäntelchen, Kämme, Bürsten, Leinen etc. herunterreissen. Hm…  Kurz darf ich auch die Bürste kennen lernen. Domi zeigt sie mir zum Schnuppern und fährt sanft durch mein karamellfarbenes Haar und die weiße Brust. An den Ohren mag ich die nicht wirklich. Das Ganze dauert nur kurz, ist okay. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Ein Guteli beim Tschüss-Sagen, das Streicheln der Hunde-Coiffeuse zum Abschied und schon geht es nach Hause zurück. Ich kenne hier schon Einiges, fühle mich wohl und entspannt.

Warum durfte ich in der Zucht meine Notdurft auf kleinen Teppichen machen? Hier geht das gar nicht. Mir wäre der naturfarbene Wollteppich im Wintergarten sehr willkommen, doch meine Besitzer finden das gar nicht toll. Ich werde dann gleich rausgetragen, dabei muss ich doch gar nicht mehr! Den andern Teppich im Wohnzimmer zu benützen ist auch verboten. Ich habe verknüpft: Wenn der Mensch dabei ist, darf ich das nicht, wenn er nicht da ist, schon. Oder doch nicht? Darf ich denn draussen, wenn der Mensch zusieht? Schwierig…

Das Gartenerkunden ist immer wieder ein Thema. Die Grossen machen mir vor, wie weitläufig und spannend alles ist. Unsere Hinterlassenschaften werden mehrmals täglich begutachtend zusammen genommen. Spriessende Narzissenköpfe darf ich nicht fressen, doch über die Krokusse habe ich gesiegt – sie liegen flach.

Mmh, wie riecht die Bauernwiese hinter dem Zaun gut!

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